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Mercedes-Gutachten im Abgasskandal: E-Klasse viel zu dreckig

Ein vom Landgericht Stuttgart in Auftrag gegebenes Sachverständigengutachten hat klar gezeigt, dass Mercedes Diesel nur auf dem Prüfstand den gesetzlich vorgegebenen Grenzwert für Stickoxid einhalten. Im Realbetrieb auf der Straße dagegen stoßen sie ein Vielfaches der erlaubten Emissionen aus.

Das Gutachten dürfte es der Daimler AG deutlich schwerer machen, sich in diesem und vielen ähnlich gelagerten Fällen zu verteidigen. Sie hatte die Behauptung des Klägers, der von HAHN Rechtsanwälte vertreten wird, dass das Auto den Grenzwert nur auf dem Prüfstand einhält, bestritten.


Grenzwert selbst bei optimalen Bedingungen überschritten

Die folgende Grafik zeigt deutlich, wie hoch der Stickoxidausstoß bei den vier Testfahrten war. Rot ist dagegen der Wert von 180 mg/km markiert, was dem erlaubten Grenzwert für Euro-5-Diesel entspricht.

Gutachten Mercedes E-Klasse

Der Hintergrund zum Gutachten

Vor dem Landgericht Stuttgart wird derzeit unter dem Aktenzeichen AZ: 20 O 327/18 ein Verfahren im Mercedes Abgasskandal verhandelt (eines von vielen). Der von HAHN Rechtsanwälte vertretene Kläger wirft der Daimler AG vor, in seinem Mercedes-Benz E 350 CDI unzulässige Abschalteinrichtungen verwendet zu haben. In diesem Zusammenhang behauptet er, der Stickoxidausstoß des streitgegenständlichen Fahrzeuges liege oberhalb des gesetzlich zulässigen Grenzwertes von 180 mg/km und dass dieses diesen Grenzwert nur auf dem Prüfstand erreichen würde. Die Daimler AG bestreitet dies.

Das Landgericht Stuttgart hat den Sachverständigen beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Hierzu sollte er Testfahrten im Realbetrieb, das heißt unter "normalen Nutzungs- bzw. Betriebsbedingungen" (EG-Verordnung Nr. 715/2007) durchführen. Die Außentemperaturen müssen hierzu zwischen -10 und + 35 Grad Celsius liegen. Das Auto darf während der Testfahrten zudem nicht schneller als 130 km/h fahren.

Der Sachverständige konnte den Verlauf der Testfahrten selbst festlegen. Dabei entschied er sich für eine Strecke von etwa 56 Kilometern Länge und einer Stunde Dauer, die zu je einem Drittel durch die Stadt, über Land und auf der Autobahn entlang führt.

Vor den Testfahrten wurde das Fahrzeug gereinigt, ein Ölwechsel durchgeführt und der Fehlerspeicher ausgelesen, wobei sich darin keine relevanten Einträge befanden. Die Achsen wurden vermessen und nach den Vorgaben des Herstellers eingestellt. Schließlich wurden die Räder auf Freigängigkeit geprüft und der Luftdruck der Reifen den Herstellervorgaben angepasst.

Abschließend wurde noch das Realmessgerät auf dem Rollenprüfstand validiert.

Die Testfahrten

Es wurden jeweils zwei Messfahrten mit kaltem und zwei mit betriebswarmem Motor durchgeführt. Zudem wurde dabei jeweils eine Messfahrt am Morgen und eine am Nachmittag durchgeführt, um möglichst unterschiedliche Außentemperaturen abbilden zu können. Es war bei allen Fahrten trocken und nur schwach windig.

Temperaturen während der vier Fahrten:

1. Fahrt: 21,5 bis 24 Grad

2. Fahrt: 27 bis 29 Grad

3. Fahrt: 18 bis 21 Grad

4. Fahrt: 22 bis 25 Grad

 

Besonderheit bei der dritten Messfahrt: Die Kameraauswertung ergab, dass auf der Landstraße längere Zeit hinter einem LKW hergefahren werden musste. Diese Situation ist hinsichtlich des Schadstoffausstoßes besonders günstig.

Die Ergebnisse

Bei allen 4 Messfahrten wurde der gesetzliche Grenzwert für Euro-5-Diesel von 180 mg/km klar überschritten. Dies ist besonders verfänglich, da nahezu optimale Bedingungen vorlagen. Der kleine Ausrutscher nach unten bei der dritten Messfahrt (die immer noch viel zu dreckig war) lässt sich durch die langsame Fahrt hinter dem LKW erklären.

1. Fahrt: 681,12 mg/km

2. Fahrt: 625,54 mg/km

3. Fahrt: 452,28 mg/km

4. Fahrt: 593,41 mg/km

 

So wurde das 2,5-fache bis das 3,8-fache des erlaubten Grenzwertes erreicht. Der Sachverständige stellte fest:

"Jedoch zeigen die Messungen eindeutig, dass obwohl nahezu optimale Wetterbedingungen vorlagen, der Wert von 180 mg/km um ein Vielfaches überschritten wurde".

Erläuterungen zu den Wetterbedingungen

Die Wetterbedingungen sind deshalb so wichtig, weil in den Dieseln von Mercedes ein sogenanntes Thermofenster verbaut ist. Dieses sorgt dafür, dass die Abgasreinigung ab etwa 7-10 Grad Außentemperatur reduziert wird. Deshalb schneiden Mercedes Diesel auch gerade bei Abgastests im Winter sehr schlecht ab, da bei niedrigeren Temperaturen noch einmal weit mehr Stickoxid ausgestoßen wird. Da diese tiefen Temperaturen bei den Testfahrten für das Gutachten jedoch gar nicht erreicht wurden, also nahezu optimale Bedingungen herrschten, kann das Thermofenster nicht der Grund für den hohen Stickoxidausstoß sein. Dies bekräftigt die Vorwürfe des Klägers, dass in seinem Fahrzeug gleich mehrere unzulässige Abschalteinrichtungen vorhanden sind.