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Wirecard AG Schadensersatz Klage trotz Insolvenz

Ihre Rechte als Aktionär im Wirecard-Bilanzskandal

Die Wirecard AG sieht sich nach dem Verlust von 1,9 Milliarden Euro großem Druck ausgesetzt. Dem Zahlungsdienstleister werden Compliance-Probleme, eine mangelhafte Unternehmensführung, Bilanzmanipulationen und eine unterlassene Börsen-Pflichtmitteilung vorgeworfen. Aktionäre können deshalb Schadensersatz verlangen. Achtung: Am 25.06.2020 stellte die Wirecard AG Insolvenzantrag am Landgericht München. Die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen ist weiterhin möglich.


Wirecard Aktionäre vor Totalverlust

Wirecard: Schadensersatz für Aktionäre möglich?

Die Wirecard Aktie fällt und fällt und ist Stand 01.07.2020 bei 6,47 Euro angekommen. Der Zahlungsdienstleister soll seine Bilanzen gefälscht und seine Aktionäre nicht wahrheitsgemäß über den Verdacht der Finanzmanipulation informiert haben. Geprellte Aktionäre haben deshalb einen Anspruch auf Schadensersatz.

Der Wirecard Bilanzskandal: Was ist passiert?

Am 30. Januar 2019 begann der Wirecard-Skandal aufgrund eines Berichts in der Financial Times. Darin wird von Geldwäsche und gefälschten Verträgen durch einen hochrangigen Mitarbeiter in Singapur berichtet. Dem folgen weitere Berichte über Straftaten, die in Singapur verübt worden sein und von denen Mitarbeiter in Deutschland Bescheid gewusst haben sollen. Auch eine Durchsuchung der Büros von Wirecard in Singapur sorgte für Aufruhr.

In den USA werden zu dem Zeitpunkt bereits erste Klagen von Aktionären bekannt, die sich durch falsche Angaben von Wirecard geschädigt sehen. Die aus dem Abgasskandal bekannte Kanzlei Hagens Berman prüft die Einreichung einer Sammelklage.

Wirecard verklagt derweil die Financial Times auf Schadensersatz und weist weitere Berichte über Ungereimtheiten im Asiengeschäft des Unternehmens als falsch und irreführend zurück. Wirecard selbst beauftragt im Oktober 2019 die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer unabhängigen Untersuchung. So sollen alle Vorwürfe ausgeräumt werden. Im April 2020 wird das Ergebnis der KPMG-Sonderprüfung veröffentlicht und lässt die Aktie von Wirecard abstürzen.

Das Wirecard Geschäftsmodell

Im Aschheim bei München beheimatet hat Wirecard insbesondere im mobile Payment Sektor, aber auch mit digitalen Bezahlvorgängen große Erfolge erzielt. Dabei wird durch Wirecard die schon beim Bezahlen an der Kasse die Bonität überprüft und die Überweisung übernommen. In China arbeitet Wirecard in Kooperation mit chinesischen Anbietern von mobile & digital Payment zusammen. Im Juni 2018 hatte der Wirecard Aktienkurs den Höchststand mit über 193,55 € in der 5 Jahres Wertung erreicht. Nach immer lauter werdenden Vorwürfen musste Wirecard im Juni bekannt geben, dass 1.9 Milliarden Euro die innerhalb der Bilanzen angegeben waren nicht existent sind. Seit dem befindet sich die Wirecard Aktie im freien Fall.  

Schadensersatzklage gegen Wirtschaftsprüfer Ernst & Young (EY) 

Welche Rolle spielen die Wirtschaftsprüfer von EY?
Berichten des Handelsblatt zufolge sollen die Wirtschaftsprüfer von EY, die die Bilanzen bereits seit dem Jahr 2009 von Wirecard prüfen und stets ein uneingeschränktes Testat erteilt haben am Montagmorgen die Verweigerung des Testats für die Bilanz von 2019 bestätigt haben. 

Nach weiteren Berichten des WDR, NDR und der Süddeutschen haben die Prüfer von EY die ursprünglich auch das Geschäftsjahr 2018 mit einem uneingeschränkten Testat versehen haben bei einer neuerlichen Prüfung Ungereimtheiten gefunden, die darauf schließen lassen, dass schon 2018 Berichte über ein Konto bei der Oversea-Chines Banking Coporation in Singaur in Höhe von rund 980 Mio. Euro gefälscht wurden.

Somit scheint das Asiengeschäft der Wirecard AG zu großen Teilen erfunden. Offen bleibt die Frage inwieweit EY die Bilanzskandal mitzuverantworten hat, da sie Belege bereits zu einem früherem Zeitpunkt auf Plausibilität hätten prüfen müssen.

KPMG-Bericht zu Vorwürfen gegen Wirecard

KPMG berichtet von Untersuchungshemmnissen. Zur Existenz und zur Höhe von Umsätzen aus dem Drittpartnergeschäft können die Prüfer keine Angaben machen. Für die untersuchten Jahre 2016 bis 2018 können sie weder bestätigen, dass diese Umsätze existieren und korrekt sind, noch dass sie nicht existieren und nicht korrekt sind. Wirecard selbst interpretiert dieses Ergebnis der Untersuchung als zufriedenstellend - KPMG habe keine Belege für die erhobenen Vorwürfe gefunden, so Wirecard-Chef Markus Braun.

Doch die Vorwürfe waren damit keineswegs ausgeräumt. Ende Mai wird bekannt, dass sich die Veröffentlichung der Konzernbilanz weiter verzögern wird. Ebenso wurd die Hauptversammlung verschoben. Grund hierfür soll eine Mitteilung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) sein. Demnach konnten die Wirtschaftsprüfer EY noch nicht alle Prüfungshandlungen abschließen.

Im Juni wurde die Luft für den Wirecard-Vorstand dann immer dünner. Die Münchner Staatsanwaltschaft führt eine Durchsuchung der Geschäftsräume von Wirecard in Aschheim durch. Den Verantwortlichen wird vorgeworfen, "durch die ad-Hoc-Mitteilungen vom 12.03.2020 und vom 22.04.2020 irreführende Signale für den Börsenpreis der Aktien der Wirecard AG" gegeben zu haben.

1,9 Milliarden Euro sind verschwunden

Am 18. Juni 2020 folgte dann der Schock. Statt den Jahresabschluss endlich zu veröffentlichen, berichtet Wirecard, dass 1,9 Milliarden Euro (etwa ein Viertel der Konzernbilanzsumme) verschwunden seien bzw. wohl nie existiert haben. Die EY-Prüfer haben keinen Nachweis für die Existenz dieser Summe auf asiatischen Treuhandkonten finden können. Wirecard selbst sieht sich betrogen und will Strafanzeige gegen unbekannt stellen. Der Aktienkurs fiel derweil ins Bodenlose. Gründer Markus Braun tritt als Wirecard-Chef zurück und wird nur wenige Tage später festgenommen. Ihm wird Marktmanipulation vorgeworfen. Der Haftbefehl wird gegen Kaution von 5 Mio. Euro außer Vollzug gesetzt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen derweil weiter.

Die Wirtschaftsprüfer von EY haben den Jahresabschluss von Wirecard nicht bestätigt. Damit können Banken vergebene Kredite zurückfordern. Diese belaufen sich laut Wirecard auf eine Höhe von rund zwei Milliarden Euro und können gekündigt werden, wenn nicht bis zum 19. Juni 2020 ein testierter Jahres- und Konzernabschluss vorliegt. Zudem wird erwartet, dass die Wirecard AG spätesten bei der nächsten Index-Überprüfung im September aus dem DAX fliegen wird - eine Schmach für den Konzern, der zunächst als Überflieger galt, bevor die Vorwürfe aus den vergangenen Jahren und ganz besonders aus den vergangenen Wochen das Unternehmen und seine Investoren auf den Boden der Tatsachen zurückholten.

BaFin-Chef Felix Hufeld sprach im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal von einem kompletten Desaster und einer Schande. Es handele sich um die entsetzlichste Situation, in der er je einen Dax-Konzern gesehen habe. Er räumte aber ein, dass auch die BaFin selbst nicht effektiv genug gewesen sei, um den Vorfall zu verhindern. Eine BaFin-Untersuchung der Vorfälle steht nun an.

Wirecard stellt Insolvenzantrag - was bedeutet das für Aktionäre?

Am 25. Juni 2020 stellte die Wirecard AG Insolvenzantrag beim Amtsgericht München. Der Schadensersatzanspruch von Aktionären und betroffenen Anlegern besteht weiterhin. Bei einem Insolvenzverfahren würden deren Forderungen allenfalls nachrangig berücksichtigt werden. Unabhängig davon können Anleger ihre Schadensersatzansprüche aber auch gegenüber der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young geltend machen. Diese hatte die Bilanzfälschungen übersehen und fehlerhafte Jahresabschlüsse testiert. Damit hat sie unserer Auffassung nach gegen ihre Abschlussprüferpflichten verstoßen.

Weiterführende Informationen zum Insolvenzantrag und den Folgen entnehmen Sie bitte unserer Pressemeldung:

Pressemeldung zum Insolvenzantrag der Wirecard AG

Nachdem die Wirecard AG in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden musste, haben nur fünf weitere Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet. Die fünf Töchter der Wirecard AG sind, bzw. waren mit Softwareentwicklung sowie Dienstleistungsangeboten betraut .

Ersten Berichten des Handelsblatt nach will nun aber die Deutsche Bank zumindest der Wirecard Bank unter die Arme greifen. Bereits am Donnerstag (02.07.2020) hatte die Deutsche Bank angekündigt, dass Sie Hilfen für die Wirecard Bank prüft.

Was können Anleger mit Wirecard-Aktien jetzt tun?

Nach unserer Einschätzung muss sich der Vorstand um den ehemaligen Wirecard-Chef Braun schwerwiegende Pflichtverletzungen vorwerfen lassen. Ein nicht funktionierendes bzw. kaum vorhandenes Compliance-System, falsche Bilanzierung und nicht zuletzt unvollständige Kapitalmarktinformationen ermöglichen geprellten Investoren und Anlegern eine Klage auf Schadensersatz.

HAHN Rechtsanwälte gehört zu den erfahrensten Kanzleien auf dem Gebiet des Bank- und Kapitalmarktrechts und hat schon zahlreiche erfolgreiche Musterverfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz geführt. Die Kanzlei steht seit 30 Jahren ausschließlich auf der Seite von Verbrauchern, Anlegern und Investoren.

Sie besitzen Wirecard-Aktien oder haben diese besessen? Dann sollten Sie über die Geltendmachung von Schadensersatz nachdenken. Ihren Anspruch auf Ersatz des Kursdifferenzschadens können Sie auch dann geltend machen, wenn Sie Ihre Anteile bereits veräußert haben.

Wir prüfen kostenlos, welche Ansprüche und gegen wen Sie im Wirecard-Bilanzskandal geltend machen können. Wir stellen ebenfalls noch kostenfrei eine Deckungsanfrage bei Ihrer Rechtsschutzversicherung. Eine Rechtsschutzversicherung tritt in der Regel nur dann ein, wenn diese vor dem Jahr 2000 bereits abgeschlossen wurde und kein Risikoausschluss wegen Kapitalanlagen besteht. Einige Rechtschutzversicherungen bieten aber auch aktuell noch Schutz mit einer Begrenzung hinsichtlich der Höhe der Schadenssumme.

Holen Sie sich Ihr Geld zurück!

Welche Rolle spielt Jan Marsalek?

Neben dem Ex-Wirecard-Chef Markus Braun befindet sich vor allem sein Vertrauter Jan Marsalek im Visier der Behörden. Gegen beide sollen Haftbefehle vorliegen. Doch während sich Braun bereits gestellt hat, scheint Marsalek auf den Philippinen untergetaucht zu sein. Das Land spielt selbst bereits eine unrühmliche Rolle im Wirecard-Skandal. Denn zunächst hatte es geheißen, dass die ominösen 1,9 Milliarden Euro sich auf philippinischen Konten befunden haben und dort verschwunden sein sollen, bevor die Zentralbank des Landes klarstellte, dass das Geld sich nie dort befunden habe. Nun wächst der Druck auf das Land weiter, nachdem Marsalek dort am 23. Juni 2020 (als der Wirecard-Skandal bereits bekannt war) eingereist und am 24. Juni nach China weitergereist sein soll. Ein peinlicher Vorfall für die philippinischen Behörden, die nun interne Ermittlungen anstellen. Justizminister Guevarra deutete an, dass die Flugdaten manipuliert gewesen sein könnten, um Marsalek ein Untertauchen zu ermöglichen.