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Mercedes Abgasskandal:
Diesel-Käufer erhalten Entschädigung

Nach Urteilen des BGH und EuGH brechen auch im Mercedes Dieselskandal die Dämme. Immer mehr Gerichte verurteilen Mercedes nun zur Zahlung des Differenzschadens.

Mercedes Fahrzeuge

Der Mercedes Abgasskandal

Voraussetzung um Anspruch auf Schadensersatz zu haben ist lediglich der fahrlässige Einbau einer unzulässigen Abschalteinrichtung - hierzu zählen zum Beispiel die Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung, die Adblue-Dosierstrategie oder das Thermofenster. Millionen Mercedeskunden haben auf dieser Grundlage einen Anspruch auf Entschädigung.

Betroffene Modelle

Nahezu alle Mercedes Diesel mit der Abgasnorm Euro 5 oder Euro 6 sind im Mercedes Abgasskandal betroffen - sie enthalten eine unzulässige Abschalteinrichtung, weshalb die Käufer Anspruch auf Schadensersatz haben können.

Aktuelle Rückrufe

Ende 2023 wurde ein neuer Pflicht-Rückruf im Mercedes Abgasskandal bekannt. Über 100.000 Fahrzeuge müssen ein Software-Update bekommen, sonst droht der Verlust der Zulassung. Hintergrund ist ein unzulässiges Thermofenster.

Schadensersatz im Mercedes Abgasskandal

Laut Urteilen von EuGH und BGH können Käufer von Fahrzeugen, in denen Mercedes fahrlässig eine unzulässige Abschalteinrichtung eingebaut hat, eine Entschädigung in Höhe von bis zu 15% des Kaufpreises erhalten.

Betroffene Modelle im Mercedes Abgasskandal

Betroffen sind im Abgasskandal nahezu alle Mercedes Diesel, die über die Abgasnorm Euro 5 oder Euro 6 verfügen. Dabei geht es um die folgenden Motoren:

  • OM 607 – Vierzylinder, aus der Kooperation mit Renault
  • OM 622 – Vierzylinder, aus der Kooperation mit Renault
  • OM 626 – Vierzylinder, aus der Kooperation mit Renault
  • OM 640 – Vierzylinder
  • OM 642 – Sechszylinder
  • OM 651 – Vierzylinder
  • A-Klasse
  • B-Klasse
  • C-Klasse
  • E-Klasse
  • G-Klasse
  • GL
  • GLC
  • GLE
  • GLK
  • GLS
  • Marco Polo
  • ML
  • S-Klasse
  • SLC
  • SLK
  • Sprinter
  • V-Klasse
  • Viano
  • Vito
  • Vito Tourer

Sowie Wohnmobile auf Basis zum Beispiel des Sprinters oder der V-Klasse

Welche Rückrufe gibt es im Mercedes Dieselskandal?

Die Rückrufe im Mercedes Abgasskandal erfolgen seit 2018 nach und nach. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat inzwischen in fast jedem Mercedes Modell eine oder sogar mehrere unzulässige Abschalteinrichtung entdeckt und deshalb einen Rückruf und ein Software-Update angeordnet.

Der erste Pflichtrückruf im Dieselskandal bei Mercedes erfolgte im Mai 2018 für den Vito mit der Abgasnorm Euro 6.

Im Herbst 2018 folgte dann eine erste umfangreiche Rückrufaktion, die rund ein Dutzend Modelle betraf. Alle verfügten über die Abgasnorm Euro 6b. Es waren jedoch verschiedene Motoren und Baujahre betroffen. 280.000 Fahrzeuge waren von diesem Rückruf betroffen.

Im Sommer 2019 folgte die nächste große Rückrufwelle bei Mercedes, die sich auf Euro 5 Diesel konzentriert. Hier war zunächst nur der GLK betroffen, es folgten jedoch weitere Modelle wie die C-Klasse, E-Klasse und S-Klasse. Betroffen waren mehrere zehntausende Fahrzeuge.

Im Herbst 2019 waren dann erneut hunderttausende Mercedes Diesel betroffen. Nun traf es Vans, namentlich die Modelle Sprinter, Vito und Viano – allesamt verfügten über die Abgasnorm Euro 5 und den Motor OM 651.

Und schließlich wurde 2020 bekannt, dass auch die A-Klasse und B-Klasse über unzulässige Abschalteinrichtungen verfügen.

KBA ruft über 100.000 Mercedes Diesel wegen Thermofenster zurück

Dezember 2023: Der Spiegel und BR24 berichten, dass das KBA einen weiteren Pflicht-Rückruf für Mercedes Diesel angeordnet hat. Dieses Mal ist das Thermofenster der Übeltäter. Nach EuGH und BGH stuft nun auch das KBA das Thermofenster als unzulässige Abschalteinrichtung ein und ruft aufgrund dessen über 100.000 Fahrzeuge zurück (Mercedes selbst spricht von einer unteren sechsstelligen Zahl). 

Zunächst war nicht bekannt, welche Fahrzeuge konkret betroffen sind, lediglich beim Mercedes E 350 BlueTEC ist die Sache klar, denn an diesem hatte das KBA Untersuchungen durchgeführt und dabei gleich drei unzulässige Abschalteinrichtungen gefunden. Eine davon das Thermofenster, zu dem nun der Rückruf erfolgt. Zu den beiden anderen, darunter die AdBlue-Dosierstrategie, hat das KBA noch keine abschließende Entscheidung bezüglich eines Rückrufs getroffen.

Themengebiete im Mercedes Abgasskandal

Betroffene Fahrzeuge von Mercedes im Dieselskandal

Fahren auch Sie einen Diesel von Mercedes, der mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung ausgestattet ist? Dann können Sie Schadensersatz geltend machen.

Welche Mercedes Diesel sind betroffen?
Diesel Thermofenster - BGH bestätigt Schadensersatz

Beim Thermofenster handelt es sich um eine unzulässige Abschalteinrichtung. Käufer von Fahrzeugen, die ein solches nutzen, können deshalb eine Entschädigung erhalten.

Wie funktioniert das Thermofenster?
Die Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung im Mercedes Diesel

Befindet sich in Ihrem Mercedes Diesel eine Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung? Dann haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung!

Wie funktioniert die Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung?
Die AdBlue-Dosierstrategie

Die AdBlue-Dosierstrategie ist eine bei Mercedes verwendete unzulässige Abschalteinrichtung. Machen Sie jetzt Schadensersatz geltend, wenn die Funktion sich auch in Ihrem Fahrzeug befindet.

Wie funktioniert die AdBlue-Dosierstrategie?
Mercedes-Gutachten im Abgasskandal: E-Klasse viel zu dreckig

Gleich acht mutmaßlich unzulässige Abschalteinrichtungen stellte der Sachverständige Felix Domke in einer Mercedes E-Klasse fest.

Was steht im Gutachten?

Welche Abschalteinrichtungen hat Daimler verwendet?

Im Mercedes Abgasskandal wurden bei Daimler laut Kraftfahrt-Bundesamt und Bundesverkehrsministerium mindestens fünf unzulässige Abschalteinrichtungen gefunden. Beide Behörden halten sich mit genaueren Informationen jedoch bedeckt. Bekannt sind jedoch die folgenden Funktionen, die dafür sorgen, dass die Fahrzeuge anhand verschiedener Parameter erkennen, wenn sie sich auf dem Prüfstand befinden: Slipguard, Bit 13, Bit 14 und Bit 15.

Die Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung

Diese unzulässige Abschalteinrichtung wird anhand bestimmter prüfstandsbezogener Parameter aktiviert und sorgt dafür, dass der Kühlkreislauf so lange wie möglich kühl gehalten wird. Weil dadurch auch die Temperatur des Motoröls nur langsam ansteigt, werden weniger Stickoxide ausgestoßen. Da die Regelung im Straßenverkehr jedoch praktisch nicht zum Tragen kommt, ist der Ausstoß von Stickoxiden dort wesentlich höher. KBA und Verkehrsministerium stufen die Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung als unzulässig ein.

Das Thermofenster

Beim Thermofenster handelt es sich um den Temperaturrahmen, innerhalb dem die Abgasreinigung ordnungsgemäß funktioniert. Bei Mercedes wird die Abgasreinigung unterhalb von 10 Grad Celsius (bei Fahrzeugen mit Abgasrückführung), bzw. von 7 Grad Celsius (bei Fahrzeugen mit AdBlue) reduziert. Da die Fahrzeuge somit einen großen Teil des Jahres viel mehr Stickoxid ausstoßen, als erlaubt, handelt es sich beim Thermofenster um eine unzulässige Abschalteinrichtung.

Die AdBlue-Dosierstrategie

Rein aus Kostengründen ist der AdBlue-Tank bei einigen Modellen von Mercedes zu klein, um stets genug des Harnstoffs für die Abgasreinigung mitzuführen. Im realen Straßenverkehr wird daher weniger AdBlue eingespritzt, als eigentlich nötig wäre. So konnte das Intervall bis zur nächsten Inspektion, bei dem AdBlue nachgefüllt werden sollte, überbrückt werden. Sowohl das KBA, als auch das übergeordnete Bundesverkehrsministerium stufen die AdBlue-Dosierstrategie von Mercedes als unzulässig ein.

Wie bekomme ich im Mercedes Abgasskandal Entschädigung?

Schadensersatz nach neuer BGH-Rechtsprechung

Nach einem EuGH Urteil vom 21.03.2023, sowie Urteilen des BGH vom 26.06.2023 ist es nun wesentlich einfacher geworden, im Mercedes Abgasskandal eine Entschädigung zu erhalten. Denn laut neuer BGH-Rechtsprechung ist auch eine Schadensersatzforderung nach § 823 BGB möglich. Hier reicht bereits ein fahrlässiges Handeln durch Mercedes (beispielsweise durch den Einbau eines Thermofensters), um Schadensersatz möglich zu machen. Der BGH sieht die Entschädigung dabei in einer Höhe von 5% bis 15% des Kaufpreises (einen Nutzungswertersatz müssen sich die Käufer anrechnen lassen), wobei das Fahrzeug behalten werden kann.

Im Zuge der drei Verhandlungen am 26.06.2023 beschäftigte sich der BGH auch mit einem Mercedes-Benz C 220 d mit einem OM651 Motor und der Abgasnorm Euro 6. In dem Wagen befinden sich sowohl ein Thermofenster als auch die Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung.

Schadensersatz aus § 826 BGB: Mercedes zurückgeben

Bis zur Kehrtwende am BGH war es für einen Schadensersatzanspruch notwendig, Mercedes vorsätzliche sittenwidrige Schädigung nachzuweisen. Dies gelang auch regelmäßig und ist auch nach wie vor möglich. Denn dem Kunden wurde ein mangelhaftes Fahrzeug verkauft, das er nicht erworben hätte, wenn er von der unzulässigen Abschalteinrichtung und damit von der drohenden Stilllegung gewusst hätte. Im Zuge einer erfolgreichen Klage muss der Hersteller deshalb gemäß § 826 BGB Schadensersatz leisten. Hierbei kommt es zu einer Rückabwicklung des Kaufvertrags.

Dabei muss der Hersteller das manipulierte Fahrzeug zurücknehmen und dem Käufer den Kaufpreis, abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer, erstatten.

Brisante Bosch-Dokumente zu unzulässigen Abschalteinrichtungen

Im November 2022 veröffentlichte die Deutsche Umwelthilfe brisante Dokumente aus dem Hause Bosch, die auch Daimler in Bedrängnis bringen. Die Unterlagen aus 2015 zeigen, dass Daimler und andere Hersteller bereits 2006 Funktionen in Auftrag gaben, bei denen Bosch davor warnte, dass diese gegen die Einhaltung behördlicher Vorschriften verstoßen könnten. Unter anderem wird für Daimler explizit die folgende Funktion genannt: "SCR-Dosierungsbegrenzung"

Dabei handelt es sich um eine Reduzierung der Einspritzung von AdBlue, genauer: "Übermäßige Harnstoffdosierreduzierung über Bauteilschutzgründe hinaus."