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Der Benziner Abgasskandal

Bei Audi und Porsche sind nicht nur Diesel-Fahrzeuge im Abgasskandal betroffen, sondern auch Benziner. Audi hat dabei die Motorsteuerung ganz ähnlich manipuliert wie im Diesel-Abgasskandal. Porsche hat dagegen noch nach der Typengenehmigung illegale Veränderungen an den Fahrzeugen vorgenommen.


Der Porsche Benziner Abgasskandal

Im Spätsommer 2020 wurde bekannt, dass sich die Porsche AG an das Kraftfahrt-Bundesamt gewandt hatte. Demnach bestehe ein Manipulationsverdacht. Diesmal sollen Benziner betroffen sein. Der Hersteller gehe Hinweisen nach, wonach nach der Zulassung einiger Modelle durch das KBA noch Änderungen an Software und Hardware vorgenommen worden sein sollen. Dies wäre illegal, denn die Serienfahrzeuge müssen identisch mit denen sein, die die Typengenehmigung erhalten. Bei den betroffenen Porsche-Modellen handele es sich um den Porsche 911 und den Porsche Panamera. Gebaut worden seien die betroffenen Fahrzeuge zwischen 2008 und 2013. Der Panamera ist dabei auch in der Variante als Diesel in den Abgasskandal verwickelt (wie auch der Macan und der Cayanne). Porsche gab an, diese Entdeckungen zum Benziner Abgasskandal auch der Staatsanwaltschaft Stuttgart und den amerikanischen Behörden gemeldet zu haben.

Im Dezember 2020 wurde dann genauer bekannt, wie Porsche bei den Benzinern getrickst haben soll. Bei den betroffenen Modellen sollen auf dem Prüfstand größere Zahnräder eingesetzt worden seien. Sie sorgten dafür, dass die Fahrzeuge weniger dynamisch fuhren. Das senkte den Kraftstoffverbrauch und den Kohlendioxidausstoß. In den Serienfahrzeugen wurden dann kleinere Zahnräder eingesetzt. So konnten sich die Porsche-Besitzer über eine höhere Beschleunigung freuen. Auf der anderen Seite erhöhten sich dadurch jedoch auch der CO2-Ausstoß und der Kraftstoffverbrauch. Porsche passte dabei jedoch auf, dass die Unterschiede zwischen Prüfstand und Straße nicht zu deutlich wurden. Die interne Vorgabe lautete, dass die Abweichungen höchstens acht Prozent betragen sollten.

Die Ermittlungen im Porsche Abgasskandal um Benziner gehen derweil weiter. In den USA läuft bereits eine erste Sammelklage auch für Benziner. Hier stehen zudem der Porsche Cayenne und der Boxster in Verdacht, entsprechend manipuliert worden zu sein.

Der Audi Benziner Abgasskandal

Der Abgasskandal um manipulierte Benziner bei Audi hat einen anderen Hintergrund. Audi hat dabei ganz ähnlich geschummelt wie im Abgasskandal um manipulierte Diesel-Pkw. Im Sommer 2020 kam alles an die Öffentlichkeit, nachdem es in Amerika bereits in 2017 erste Verdachtsmomente gegeben hatte.

Im Zuge eines Verfahrens, das vor dem Landgericht Offenburg verhandelt wurde, war ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben worden. Bei dem untersuchten Fahrzeug handelte es sich um einen Audi Q5 TFSI 2.0 - also um ein Auto mit Benzinmotor. Das Fahrzeug verfügte über die Abgasnorm Euro 6. Der Gutachter stellte bei seinen Untersuchungen fest, dass es einen erheblichen Unterschied bei den Abgaswerten machte, ob das Lenkrad eingeschlagen wurde. Der Audi Q5 erkannte durch ein feststehendes Lenkrad, dass er sich auf dem Prüfstand befand. Dann wurde in einen sauberen Modus geschaltet und die Abgasreinigung optimiert. Wurde das Lenkrad vor dem Test auf dem Prüfstand dagegen eingeschlagen, ging das Auto davon aus, dass es sich auf der Straße befindet und nutzte den dreckigeren Modus. Der Stickoxidausstoß lag auf der Straße so um 24% über dem auf dem Prüfstand, beim Kohlenmonoxid waren es gar 60% mehr.

Neben dem Gutachten unterstützt auch ein internes VW-Dokument den Verdacht. Darin beschreiben VW-Juristen das sogenannte Warmlaufprogramm. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat die schnelle Motoraufwärmfunktion in diversen Diesel-Modellen von Audi bereits als unzulässige Abschalteinrichtung eingestuft und die Fahrzeuge deshalb verpflichtend zurückgerufen. Immer wieder sprechen Gerichte auf Basis dieser Abschalteinrichtung auch Schadensersatz zu.

Das Dokument bezieht sich unter anderem auf den Audi Q5 2.0 TFSI (mit Automatikgetriebe AL 551) - also genau das Modell, das auch für das Gutachten untersucht wurde. Es ist von einer zyklusnahen Bedatung die Rede, also von einer Zykluserkennung (Erkennung des Prüfstandes). Ganz konkret wird dabei der Lenkradwinkel aus ausschlaggebender Parameter genannt. Die Schaltung des Automatikgetriebes wird anschließend verändert.

"Warmlaufprogramm ist im NEFZ aktiviert, im Real Drive so gut wie nie. Austrittsbedingung Lenkwinkeleinschlag > 15 Grad"

Also: Wird das Lenkrad um mehr als 15 Grad bewegt, geht das Fahrzeug davon aus, dass es sich auf der Straße (Real Drive) befindet. Bei einem geringeren Einschlagswinkeln wird vom Prüfstand (NEFZ) ausgegangen und dann das Warmlaufprogramm aktiviert. Hierdurch werden weniger Schadstoffe ausgestoßen.

Im dem Dokument heißt es zudem, dass diese Lenkwinkelerkennung den Behörden nicht bekannt sei. Das KBA ist darüber also nicht informiert worden - auch dies ein klarer Grund dafür, hier von einem sittenwidrigen Verhalten zu sprechen, denn die Abschalteinrichtung ist vor dem KBA geheim gehalten worden. Nicht nur die Behörden, auch die Käufer sind getäuscht worden.

Das Automatikgetriebe AL 551 befindet sich auch in anderen Audi-Modellen mit Benzinmotor, so im A4, A5, A6, A7, A8 und Q7. Die Vermutung liegt nahe, dass auch diese Modelle im Abgasskandal um Benziner entsprechend betroffen sind.

Der Porsche Abgasskandal

Der Porsche Abgasskandal umfasst alle Modelle des Herstellers mit Dieselmotor - Porsche Cayenne, Porsche Panamera und Porsche Macan. Zehntausende Porsche-Fahrzeuge mussten in die Werkstatt gebracht werden, um dort ein Software-Update zu bekommen. Der Autobauer selbst stellt keine Motoren her, sondern nutzt 3.0, 4.0 und 4.2 Motoren von Audi. Für die Verbraucher macht das jedoch keinen Unterschied. Ihr Auto hätte gar nicht zugelassen werden dürfen und ist deshalb jederzeit von der Stilllegung bedroht. Hätten sie dies gewusst, hätten sie das Auto wohl kaum erworben. So sehen es auch Gerichte und sprechen wegen der illegalen Abschalteinrichtung im Abgasskandal Schadensersatz zu. Ergebnis dieser Urteile: Das Auto geht an den Hersteller zurück, dieser muss im Gegenzug den Kaufpreis erstatten. Lediglich eine Nutzungsentschädigung auf Basis der gefahrenen Kilometer müssen sich erfolgreiche Kläger anrechnen lassen.

Der Audi Abgasskandal

Audi hatte sich im Abgasskandal zunächst als Opfer gesehen. Man habe lediglich von VW entwickelte Motoren eingesetzt, hieß es. Doch schnell wurde klar: Auch die von Audi selbst entwickelten größeren Motoren sind manipuliert wurden. Sie sind zudem auch in Modellen von Porsche und VW (zum Beispiel im VW Touareg) verbaut. Entsprechende Rückrufe, die das Kraftfahrt-Bundesamt im Abgasskandal anordnete, trafen hunderttausende Fahrzeuge. Sie alle müssen das bekannte Software-Update bekommen. Immer mehr Gerichte sprechen deshalb Schadensersatz zu. Ergebnis: Das Auto geht an den Hersteller zurück, dieser muss den Kaufpreis, abzüglich einer Nutzungsentschädigung, erstatten.

Zu den Dieseln von Audi, die im Abgasskandal betroffen sind, gehört übrigens auch der Audi Q5 - der damit sowohl als Benziner, als auch als Diesel betroffen ist. Auch der SQ5, der A6, der A8 und viele weitere Audi-Modelle sind in den Dieselskandal verwickelt.

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